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Geschichte der Sonnencreme: Warum unsere Vorfahren sie nicht brauchten – wir aber schon

Gepostet von Anne-Katrin Endler am
Werbeplakat con Delial: "schnekt klassische Bräune"

Das Thema Sonnenschutz spaltet die Gemüter und ist von Mythen umgeben.

Die einen sind stets bedacht, die richtige Menge an Sonnencreme aufzutragen und sie bitte auch alle zwei Stunden zu erneuern. Andere suchen nach natürlichen Alternativen, denn Sonnencreme bringt auch verschiedene Probleme mit sich. Deshalb wirft unsere Gastautorin Anne-Katrin Endler diesmal einen Blick in die Geschichte der Sonnencreme.


Einer der Mythen über Sonnencreme ist, dass unsere Vorfahren auch ohne Sonnencreme nicht an Hautkrebs erkrankt sind. Das ist erst einmal nicht falsch, sondern sogar eine Tatsache. Der Umkehrschluss funktioniert aber nicht. Die Behauptung: Weil unsere Vorfahren ohne Sonnencreme keinen Hautkrebs bekommen haben, benötigen wir heute auch keine, ist falsch.

Vor der Erfindung der Sonnencreme

Aber zunächst einmal: Warum haben die Menschen früher keinen Hautkrebs bekommen? Das liegt schlicht und einfach daran, dass sie nicht so alt geworden sind wie wir heute. Die Lebenserwartung lag noch 1835 bei 33 Jahren. Bevor die Menschen an Krebs erkranken konnten, sind sie also meist an anderen Krankheiten gestorben. Laut der Deutschen Krebsgesellschaft tritt Hautkrebs heute im Durchschnitt zwischen 75 und 79 Jahren auf. Ein Alter, das erst seit einigen Jahrzehnten von vielen Menschen erreicht wird. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts verbesserten sich die hygienischen Umstände und die Medizin feierte große Erfolge. Die Erreger der Tuberkulose, des Milzbrandes und der Cholera wurden identifiziert, das Trinkwasser wurde gereinigt und gegen Seuchen wurde geimpft. Krebs als die große Krankheit trat erst jetzt auf die medizinische Bühne. Natürlich gab es Krebs schon immer - das haben sogar Ausgrabungen gezeigt. Allerdings konnte er lange mit den zur Verfügung stehenden Diagnosemöglichkeiten gar nicht erkannt werden. Und er war angesichts des Lebensalters der Menschen eben kein Massenphänomen.

Wir wissen nun also, dass Krebs für unsere Vorfahren nicht die größte Gefahr war. Vor der Sonne haben sie sich dennoch geschützt – zumindest wer es sich leisten konnte. Das lag vor allem am geltenden Schönheitsideal - der noblen Blässe. Diese war auch ein Zeichen der Abgrenzung gegenüber den arbeitenden Schichten, deren Haut natürlich sehr viel stärker der Sonne ausgesetzt war. Schon in der Antike sollen zum Schutz vor der Sonne Öle wie z.B. Olivenöl, Reiskleie, Jasmin oder Lupine eingesetzt worden sein. Hier erfährst du mehr über die Vor- und Nachteile von Gesichtsölen. Und auch Zinkpasten wurden angerührt und auf die Haut aufgetragen - sozusagen ein Vorgänger der heutigen mineralischen Sonnencremes. Der beste und häufigste Schutz vor der Sonne waren aber Kleidung, Sonnenschirme und der Aufenthalt im Schatten. Mit dem Schönheitsideal einher gingen die Moralvorstellungen, die das Zeigen von zu viel Haut lange Zeit untersagten. An den Stränden der deutschen Seebäder galten zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch Kleiderordnungen. Bis zur Erfindung des Bikinis sollte es noch einige Jahrzehnte dauern.

Bademode, die fast den ganzen Körper bedeckt.
Bademode vor ​​Erfindung des Bikini

Wann gab es die erste Sonnencreme?

In den 1920er-Jahren wurde die Bewegung an der frischen Luft populär. Und auch die Mode vollzog einen Wandel. Am Strand zeigte man mehr Haut. Die Gefahr eines Sonnenbrandes stieg. Die Zeit für die erste Sonnencreme war reif. Als erstes Unternehmen brachte die Bayer-Tochter Drugofa 1933 die Delial-Salbe in Deutschland auf den Markt (Oben siehst du ein altes Werbeplakat von Delial). Es folgten Ambre Solaire von L'Oreal-Gründer Eugène Schueller (1936) und Piz Buin vom österreichischen Chemiestudenten Franz Greiter (1948). Die ersten Sonnencremes sollten vor allem einen Sonnenbrand verhindern, die zunehmend in Mode kommende Bräune bitte nicht. Für die neue Mode soll übrigens Modeikone Coco Chanel verantwortlich sein, die braungebrannt von einem Bootsausflug auf dem Mittelmeer zurückkehrte - nicht ganz freiwillig, sie hatte der Legende nach ihren Sonnenschirm vergessen. Fakt ist aber, dass sich das Schönheitsideal wandelte und nun eine „gesunde Bräune“ erstrebenswert erschien. Sie galt nicht nur als schön. Gebräunte Haut wurde auch zum Zeichen des Wohlstands. Zeigte sie doch, dass man sich einen Urlaub leisten konnte. Seitdem es nach dem Zweiten Weltkrieg wirtschaftlich in Deutschland bergauf ging, suchten die Menschen zunehmend im europäischen Süden ihren Platz in der Sonne.

Seit wann gibt es den Lichtschutzfaktor?

Die Lichtschutzfaktoren der ersten Sonnencremes waren mickrig. Das Produkt Piz Buin hatte beispielsweise einen LSF von 2. Ähnlich dürften die übrigen Produkte abgeschnitten haben. Der Lichtschutzfaktor wurde übrigens 1962 von Franz Greiter definiert. Seit Mitte der 70er-Jahre wurde er auf immer mehr Sonnenschutzprodukten angegeben, blieb aber noch lange im niedrigen Bereich. Noch bis weit in die 1980er-Jahre war nach Stiftung Warentest ein Lichtschutzfaktor von 4 bei den Kund:innen am beliebtesten. Lichtschutzfaktor 15 galt als Sunblocker. Erst mit Entdeckung des Ozonloches Mitte der 80er-Jahre und der zunehmenden Fälle von Hautkrebs setzte langsam ein Wandel hin zu höheren Lichtschutzfaktoren ein.

Ist Sonnencreme schädlich?

Heute wissen wir so viel wie nie zuvor über die Gefahren durch Sonnenstrahlen. Wir kennen neben den UVB-Strahlen auch die Gefahr durch UVA-Strahlen und beginnen uns mit blauem Licht zu beschäftigen. Wir wissen, wie wir uns schützen können und haben so viele Sonnenschutzmittel zur Auswahl wie nie zuvor. Sie sind zudem noch viel erschwinglicher als früher und haben bessere Formulierungen. Neben chemischen Filtern, können wir uns auch für mineralische entscheiden. Dank Internet können wir die Inhaltsstoffe durchleuchten und nur die Produkte auswählen, die wir auf unserer Haut haben möchten. Dafür müssen wir keine Chemiker:innen sein. Wir können Apps nutzen, Produkttests wie Stiftung Warentest lesen oder z.B. den Sonnenschutz-Guide von Xeno zu Rate ziehen. Dieser thematisiert nicht nur die Inhaltsstoffe, sondern gibt auch Tipps zur Verträglichkeit bei empfindlicher Haut. Auch in den Sozialen Medien findest du unzählige Testberichte von Sonnencremes. Es war noch nie so transparent.

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Gleichzeitig haben viele Menschen mehr Bedenken denn je, dass Sonnencreme uns schaden könnte. Was ist da dran?


Viele Menschen machen sich Sorgen um ihre Vitamin D-Versorgung und haben Bedenken wegen der Inhaltsstoffe. Das ist nachvollziehbar. Wir benötigen Vitamin D für unsere Gesundheit und es werden leider immer noch teilweise bedenkliche UV-Filter und Inhaltsstoffe verwendet. Wir müssen uns auch Gedanken machen über die Auswirkungen von Sonnencremes auf unsere Umwelt (Stichwort Korallensterben). Aber müssen wir deswegen back to the roots und auf die Sonnenschutzstrategien unserer Vorfahren zurückgreifen? Ja, wenn es darum geht, sich durch Kleidung zu schützen, Sonnenhüte und -schirme zu benutzen und den Schatten zu suchen. Ja, wenn es darum geht, das Schönheitsideal zu überdenken und die „gesunde Bräune“ hinter sich zu lassen. Nein, wenn es darum geht pure Pflanzenöle zu verwenden, statt der modernen Sonnencremes mit sicheren Filtern und verlässlichen Lichtschutzfaktoren. Und Nein, wenn es darum geht Sonnencremes selbst anzurühren.

Denke auch daran, die Sonnencreme am Abend wieder mit einer milden Gesichtsreinigung zu etfernen.

Pflanzliche Öle wie Kokos- oder Olivenöl haben einen Lichtschutzfaktor von ca. 7. Andere Öle haben noch weniger. Dermatolog:innen empfehlen mindestens einen LSF von 30. Zur Erinnerung: Der Lichtschutzfaktor gibt an, wie viel länger man sich mit dem Sonnenschutz in der Sonne aufhalten kann. Hat eine Person etwa eine Eigenschutzzeit von zehn Minuten, kann sie mit LSF 7 70 Minuten in der Sonne bleiben, bevor ein Sonnenbrand eintritt. Damit kommst du im Sommer nicht weit. Mit LSF 30 sind es 210 Minuten und mit LSF 50 350 Minuten. Das Bundesamt für Strahlenschutz rät dazu, die Sonnenschutzzeit nur bis zu 60% auszureizen. Dann kämst du bei LSF 7 auf 42 Minuten. Es wäre mit reinem Öl auch schwer, die empfohlene Menge von 2 mg pro Quadratzentimeter Haut aufzutragen. Das sind für den ganzen Körper ca. 4 gehäufte Esslöffel. Mit reinem Öl schwer vorstellbar.

Fazit

Der Blick in die Geschichte der Sonnencreme zeigt, dass die Menschen stets alle zu der jeweiligen Zeit zur Verfügung stehenden Mittel genutzt haben. Unsere Großeltern hätten ihre schweren und klebrigen Pasten sicherlich gerne mit uns getauscht. Vielleicht wäre unseren Eltern und uns so auch der ein oder andere Sonnenbrand im Kindesalter erspart geblieben, wenn wir uns schon früher regelmäßig eingecremt hätten. Also freuen wir uns über die Vielfalt und suchen uns die Sonnencreme, die wir gerne und viel auftragen. Denn der beste Sonnenschutz ist der, den wir gerne verwenden.

Über die Autorin

Anne-Katrin Endler hat Kulturwissenschaften mit dem Schwerpunkt Kultur- und Mediengeschichte studiert. Seit vielen Jahren arbeitet sie im PR-Bereich eines Museums und verbindet dort Ihr Faible fürs Schreiben mit ihrem Interesse an Geschichte. Ihre Leidenschaft für Hautpflege und gesundes Essen lebt sie auf ihrem Instagram Kanal @flowersformyskin aus. Sonnencreme trägt sie das ganze Jahr. .

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